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Silvia Siemes / DE


SKULPTUR KÖRPER

Einem der klassischen Themen der Bildhauerei widmet sich Silvia Siemes in ihrem künstlerischem Schaffen: der menschlichen Figur. Freilich ist ihr skulpturaler Ansatz nicht bestimmt von der Darstellung des menschlichen Körpers per se, nicht von der Darstellung von Bewegung. Auch die Auseinandersetzung zwischen Figur und umgebenden Raum ist für sie eher sekundär. Ihre figürlichen Arbeiten bleiben demonstrativ allgemeinverbindlich, sind gekennzeichnet von einer unverkrampften Direktheit, einer irritierenden Diesseitigkeit, die durch die behutsame Abstraktion, durch die zurückhaltende, matte Farbigkeit noch unterstrichen wird.

Die Figuren geben sich verhalten-distanziert, verweigern sich jeglichem Pathos. Die Physiognomie schwankt zwischen Typisierung und Porträthaftigkeit. Expressivität im Ausdruck, in der Gestik, wird von der Künstlerin bewusst zugunsten einer inneren Ruhe vermieden. Dieser Ruhe ordnet sich auch die Kleidung der Figuren unter: impliziert wird Alltäglichkeit. Silvia Siemes´ Protagonisten sind Menschen wie Du und Ich und behaupten sich durch eine auf sich selbst konzentrierte Präsenz.

GESELLSCHAFT INTIMITÄT WAHRNEHMUNG

Mit dieser Auffassung der menschlichen Figur, mit ihrer im positiven Sinne "Banalisierung", nimmt die Künstlerin innerhalb der zeitgenössischen Plastik eine höchst aktuelle Position ein. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts diente die figürliche Plastik vorwiegend repräsentativen Zwecken. Das 20. Jahrhundert war dagegen gekennzeichnet durch eine zunehmende Fragmentarisierung, gleichzeitig expressive Übersteigerung und schließlich weitgehende Abkehrung von der menschlichen Figur. Inzwischen haben die zeitgenössischen Bildhauer die figürliche Skulptur von ihrem historischen Ballast befreit und ihr einen neuen, bisher nicht gekannten Kontext zugewiesen.

Durch die Darstellung scheinbar ganz normaler, durchschnittlicher Personen konterkariert die Künstlerin den gesellschaftlich-repräsentativen Status, den die figürliche Plastik innehatte und durchaus heute noch hat. Silvia Siemes bezieht sich darüber hinaus auf eine private, ja geradezu familiär-intime Atmosphäre. Der Betrachter findet, explizit in ihren leicht unterlebensgroßen Arbeiten, eine Nähe, die sich durchaus als eine trügerische zeigen könnte, glaubte er in diesem Gegenüber sich selbst zu erkennen. Durch ihre Indifferenziertheit in Mimik und Gestik, durch den starren, ins Leere gehenden Blick wird diese Nähe freilich wieder aufgehoben: das genuin Skulpturale dieser Arbeiten bleibt immer spürbar. Es geht der Künstlerin um eine Annäherung, nicht um eine Abbildung der Wirklichkeit. Dies wird durch den Umstand, dass die Figuren fast, aber eben nur fast, lebensgroß sind, durch den Sockel, auf dem sie stehen, noch unterstrichen.




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