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Sabine Schwefel über die Arbeiten von Thomas Rissler
Thomas Rissier sammelt seit annährend 10 Jahren Bilder von Gewaltausübung, von Macht, Destruktion bis hin zur Selbstverletzung. Die Darstellung erinnert uns teilweise an Auffassungen, die Comiczeichnungen verwandt sind, tatsächlich besteht der Fundus, aus dem Thomas Rissler hier schöpft, aus medial vermittelten Bildern - d.h. Bildern aus Zeitschriften, aus der Werbung und aus sogenannten Clipart-Sammlungen.
Dominierten in den vergangenen Jahren Bilder offensiver, individueller wie kollektiver Gewalt seine in seriellen Zusammenhängen entwickelten Bildmotive, so wendet er sich in jüngster Zeit verstärkt subtileren Inhalten zu. Zitiert wird eine Idylle, um ein Beispiel herauszugreifen: die 15-teilige Arbeit "HEAVEN" aus dem Jahr 2004. Bildgegenstände werden als helle, saubere Welt inszeniert - ganz so, wie wir sie aus der Werbung kennen: mein Haus, mein Auto - in diesem Fall mein Sohn, allerdings lodern im Hintergrund bereits die Flammen haushoch. Die Bedrohung des Systems ist bereits eine aktive.
Seine Themenstellungen bearbeitet Thomas Rissler zunächst digital am Rechner, anschließend schneidet er die einzelnen Bilder seiner Serien ganz traditionell in Holz und druckt diese mehrfarbig in einem fast süßlich anmutenden, harmlosen Farbgewand. Dies natürlich mit den Mitteln, die ihm heute zur Verfügung stehen, aber eben handwerklich in der Manier des Holzschneiders. Dies ist um so bemerkenswerter als er den Ursprung seiner Bildwerke nicht verleugnet: die Textur des gerasterten Fotos wird bewusst transportiert.
Seine Holzschnitte unterlaufen unser Filtersystem alltäglichen Stumpfseins gegen mediale Katastrophenbilder und alltäglicher Überlebensignoranz ohne sich allerdings irgendeiner Illusion hinzugeben.
Mit der Auflösung einer organischen Bildstruktur deutet Thomas Rissler den fragilen Charakter dieses Systems (Familien- bzw. Gesellschaftssystems, wenn Sie so wollen) bereits an - er löst das Bild in viele kleine Einzelbilder auf, wobei das Einzelbild keinen spezifischen Eigenwert mehr besitzt, sondern Facette/Teil des Gesamtzusammenhangs ist. Und hier wird zudem der Holzschnitt zurückgenommen, das Bild in seinen Einzelteilen ist auf Leinwand gedruckt.
Rissler befasst sich formal mit solchen Bildern, weil die Quellen dieser Bilder - das Fernsehen, die Werbung, das Internet längst zu Modellen unserer Verständigung verinnerlicht sind und nach und nach Besitz von dem ergreifen, was wir als Wirklichkeit bezeichnen. Diese verschiedenen Formen der Massenkommunikation präsentieren die Welt als Mosaik aus Programmpunkten: eine Nachricht, ein Werbespot, ein Musikstück, eine Spieffilm-Sequenz. Aus dieser Perspektive muss das Bild sofort fesseln, gleichgültig, um welche Inhalte es geht. Eine differenzierte Sicht der Dinge kann hier erst gar nicht mehr gefragt sein.
Entscheidend für die Strategie von Thomas Rissier ist, dass er Distanz und Ruhe schafft, um zu konstruktiven Gedanken über die skizzierten Fragestellungen überhaupt gelangen zu können: zu Fragen nach Realität und Fiktion, nach Simulation und Wirklichkeit, nach Unschuld und Wahrhaftigkeit.
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Thomas Rissler
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